Andachten

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (Juni - Juli 2018)

Darum sollt Ihr nicht sorgen… (Matthäus 6, 31 a.c)

Liebe Leserinnen und Leser,

das ist einer meiner Lieblingsabschnitte in der Bibel: Der Aufruf Jesu, dass wir uns keine Sorgen machen sollen. Ich lasse mich einfach – wenn ich mich selbst sorgenschwer erlebe - in diese Worte hinein fallen und denke: Gott weiß, was ich brauche und wird für mich sorgen.

In seiner Rede über die Sorgen wird Jesus aber an manchen Stellen konkreter: Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: …Womit sollen wir uns kleiden?

Ich denke, dass die Kleidung hier - genauso wie der Hinweis auf Essen und Trinken kurz zuvor - stellvertretend für das Lebensnotwendige steht. Und ich mache ja auch die Erfahrung, dass ich – anders als Menschen in anderen Gegenden dieser Welt - tatsächlich das, was ich zum Leben brauche, oft sogar im Überfluss habe: Essen, Trinken, Kleidung. Ich muss mir darum keine Sorgen machen. Trotzdem – und das geht jetzt gewiss von der Zielrichtung, die Jesus dabei hat, ein bisschen weg - bin ich der Meinung, dass wir Sorge dafür tragen sollten, wie wir uns kleiden.

Ich kann mich nicht jeden Tag gleich kleiden, sondern muss darüber nachdenken, ob meine Kleidung zu dem jeweiligen Anlass passt. Manchmal gibt der berufliche Zusammenhang sowieso einen bestimmten Dresscode vor. Die Umgebung bestimmt doch oft die Art, wie ich mich kleiden soll. Ich schäme bzw. fremdschäme mich zum Beispiel, wenn westliche Touristen in Ländern, in denen es üblich ist, den Körper zu bedecken, in Hot Pants und Spaghettitops herumlaufen. Das ist respektlos gegenüber dem Gastland. Was ich sehr schade finde, ist dass in unserer Gesellschaft – so scheint es mir jedenfalls – der Unterschied zwischen dem Alltagsoutfit und der Kleidung für besondere Anlässe zunehmend verwischt. Im Theater, in der Oper oder im Musical fällt mir oft auch, dass Menschen sich dafür nicht mehr extra „in Schale werfen“. Sicherlich, das vereinfacht die ganze Sache oft. Da viele Menschen sehr viel zu tun haben, bedeutet es weniger Stress, wenn ich gleich aus meinem Alltag nahtlos zum besonderen Kulturprogramm übergehen kann. Trotzdem geht dadurch meines Erachtens etwas verloren: dass der Anlass wirklich etwas Herausgehobenes, nicht Alltägliches ist, dem ich durch meine Kleidung Ausdruck verleihe.

In ähnlicher Weise verändern sich die Gebräuche bei Beerdigungen und Trauerfeiern. Manchmal schreiben Angehörige in die Traueranzeige: „Auf Wunsch von ….bitten wir, von Trauerkleidung abzusehen“. Diesem Wunsch eines Verstorbenen ist meiner Meinung nach selbstverständlich entgegenzukommen. Darüber hinaus gibt es – so erlebe ich es hin und wieder – aber auch Sterbefälle, zu denen keine schwarze Kleidung passt. Das mag begründet liegen im Wesen des Verstorbenen, in der Art, wie er oder sie gestorben ist und vielem mehr. Und sicherlich ist das, was ich dann anziehe, auch mit viel Überlegung und Nachdenken ausgewählt.

Aber abgesehen davon und im Zweifelsfall kann ich trotzdem dem „Schwarz“ sehr viel abgewinnen. Auch wenn ich nicht selbst betroffen bin, so drücke ich durch meine Kleidung meinen Beistand und meine Solidarität mit denen aus, die einen Menschen verloren haben und für die dies auf einen tiefen Einschnitt in ihrem Leben hinweist. Ich fände es schade, wenn gar nicht mehr sichtbar würde, dass der Tod etwas Besonderes ist in unserem Leben. Und wenn es mich trifft, dann könnte ich mir vorstellen, dass – wenn ich es äußerlich markiere - es mir hilft, es innerlich zu verarbeiten.

Darum sollt Ihr nicht sorgen und sagen: … Womit sollen wir uns kleiden?
Wenn uns nun schon die Sorge um das „Dass“ der Kleidung abgenommen ist, so ist es vielleicht um so wichtiger, Sorgfalt auf das „Wie“ zu verwenden.

Ich grüße Sie herzlich,
Pfarrerin Margret Noltensmeier

 

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (April - Mai 2018)

Liebe Leserinnen und Leser,

2018 emmausim Chorraum unserer Kirche hängt das Bild der Emmausjünger, das viele von Ihnen sicherlich kennen.
Es zeigt drei Männer, die unterwegs sind, einen Weg gehen. Ich glaube, dass es dieses „Unterwegssein“ ist, das vielen Menschen dieses Bild so wertvoll macht. Vielleicht ist deshalb auch das Wort „unterwegs“ seit einiger Zeit zu einem sehr häufigen und beliebten Wort unserer Sprache geworden.

„Wie bist du denn unterwegs?“ höre ich manchmal besonders jüngere Menschen fragen. Oder ich sage selbst: „Das zeigt schon, wie er oder sie unterwegs ist:“ Es wird dabei aber gar nicht mehr unbedingt an die Fortbewegung, das Gehen oder Fahren gedacht, sondern eher ist dabei im Sinn, was ein Mensch in einem bestimmten Zeitraum oder in seinem Leben „so macht“, was er denkt, was er für Pläne hat, wie er „unterwegs“ ist. Das Leben als Weg – auch wenn ich mich gar nicht fortbewege, sondern für längere Zeit am selben Ort bleibe.

Unterwegs sein: Wie auf dem Bild im Chorraum, sind wir oft nicht allein unterwegs, sondern wir haben Weggefährtinnen und Weggefährten. Manche Menschen begleiten mich ein Leben lang, in Jahren oft noch länger als die Mitglieder der Kernfamilie: ein alter Freund aus Kindergarten- oder Grundschulzeiten, ein Nachbar oder eine Nachbarin von früher, der Bruder oder die Schwester.

Andere sind Lebensabschnittsgefährten: Ich bin eng mit ihnen verbunden in einem bestimmten Lebensabschnitt, in der Ausbildung, der Phase der Kindererziehung oder während einer Reise. Aber egal, ob kurz oder lang: Allen gemeinsam ist, dass sie mitgehen, dass wir miteinander gehen. Oft hat dieses gemeinsame Unterwegssein etwas ganz Leichtes: Wir unternehmen Dinge gemeinsam, lachen, essen, trinken und feiern miteinander. Dann wiederum kann es schwieriger werden, je nachdem, wie es mir oder denen, die bei mir sind, geht. Manchmal gehen wir miteinander durch Tiefen und Krisen des Lebens. Dann tun unterschiedliche Dinge gut: Ich kann den anderen oder die andere bekochen, kann Fahrdienste übernehmen, oder ich höre einfach nur zu oder versuche, ihn oder sie zu bestärken und zu ermutigen. Ich halte das, was er oder sie durchmacht, mit aus. Egal, was ich mache: Hauptsache, ich bin da.

Es sind besonders die Zeiten der Krise, in denen wir Menschen nach Gott fragen. Und oft genug sagen wir: Wo bist du eigentlich Gott? Du scheinst kein Weggefährte zu sein! Wieso muss ich das jetzt erleben, warum hilfst du mir nicht? Warum machst du nicht, dass es mir besser geht, warum muss ich dies erleben?

„Gott ist kein Antwortgewinn“ sagt der Theologe Otmar Fuchs. Es gibt nicht die Erklärung, die endgültige Antwort auf diese Fragen, mit der man diese ein für alle Mal „abhaken“, ihnen ein Ende machen könnte. Aber auch wenn das nicht so ist, denke ich, dass Gott trotzdem eine Antwort gibt, dass er etwas zu unseren Fragen sagt.

Seine Antwort ist: „Ich war in all diesen Zeiten bei euch. In den Zeiten eures Leidens, eurer Krise, in den Zeiten, in denen es euch schlecht ging. Ich war in all diesen Zeiten bei euch, mit euch unterwegs. Und ich werde es weiterhin sein.“

Ich wünsche Ihnen eine Osterzeit und ein fröhliches Pfingstfest,

herzlichst Ihre
Pfarrerin Margret Noltensmeier

 

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (Februar - Ostern 2018)

Liebe Leserinnen und Leser,

neulich zeigte mir eine Bekannte ein paar Fotos aus dem Skiurlaub. Wunderbare Berglandschaft, von glitzerndem Schnee bedeckt. „Schau, auf diesem Bild ist ein Engel im Schnee“, sagte sie. „Hmm….“, dachte ich. “Sehe ich nicht. Ich seh nur weiß, ein paar Menschen ganz im Hintergrund. Aber ein Engel im Schnee? Für mich nicht erkennbar, da kann ich das Bild drehen und wenden wie ich will.“ „Doch schau doch, da ist er.“ Sie kann noch so oft darauf zeigen, ich sehe da nichts. Was soll ich nun antworten? Das ist Quatsch, auf dem Bild ist nur Schnee, da ist kein Engel? Nein, ich denke, so geht die Antwort nicht. Nur weil ich den Engel nicht sehe, heißt es nicht, dass da keiner ist.

Aber vielleicht sollte ich mit etwas Alltäglicherem beginnen. Ganz normale Gespräche in der Familie oder dem Freundeskreis. Der eine behauptet dies, die andere das. Und schon geht es ganz schnell darum, wer Recht hat. Keiner hat Recht und keine. Wie die Dinge wirklich sind, weiß keiner. Es ist alles eine Frage meiner eigenen Perspektive. Natürlich darf ich die Dinge so sehen, wie ich möchte. Unbedingt! Aber ich darf nicht von meiner Frau, meinem Bruder oder meiner Mutter verlangen, dass sie für sie ganz genauso so sind wie für mich. Das wird niemals so sein. Und wenn alles auch ganz ähnlich oder sogar gleich scheint, es wird immer irgendeinen Unterschied geben.

Schwierig wird es ja, wenn wir vollkommen auseinander liegen mit unseren Meinungen. Dann kommt es oft zu Streit. Wann sieht er, sieht sie das endlich ein? Warum sollte er, sollte sie etwas einsehen? Und dann noch dazu etwas, was ich mir in den Kopf gesetzt habe? Warum sollte ausgerechnet bei mir „die Wahrheit“ sein?

Vor einiger Zeit war der Ausdruck „Isso“ für „so ist es (und nicht anders)“ sehr aktuell, meiner Wahrnehmung nach wird mittlerweile wieder weniger von ihm Gebrauch gemacht. Zum Glück, finde ich. Denn „isso“ gibt es nicht, nichts ist so. Nichts ist so, wie ich es denke oder für richtig halte. Denn: Es könnte auch alles ganz anders sein. Es könnte auch alles ganz anders sein… Ist das nicht eine wunderbare Erkenntnis? Lockt das nicht, auf Entdeckungsreise zu gehen? Kann ich nicht ganz spannende Dinge entdecken, wenn ich nicht meine, alles schon zu wissen und zu kennen, was mein Gegenüber mir erzählt? Öffnet sich mir nicht die Welt, wenn ich neugierig bleibe und in der Haltung durchs Leben gehe, dass es selbst beim vermeintlich Altbekannten noch ganz viel Neues zu erforschen gibt?

Beim Propheten Jesaja heißt es: Wenn du durchs Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen. Und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen (Jesaja 43,Vers 2). Da könnte ich nun sagen. Absoluter Quatsch: Jeder weiß, dass man in der Strömung ertrinken kann und im Feuer verbrennt. Diese Vorsicht vor Feuer und Wasser versuchen wir doch, unseren Kindern als erstes nahe zu bringen.

Doch hier hält plötzlich jemand gegen jede menschliche Erfahrung dagegen: Wenn du durchs Wasser gehst, will ich bei dir sein und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen. Was mag der, der das sagt, damit meinen? Ich sage nur: Wie gut, dass es noch mehr gibt, als das, was ich für richtig halte! Wie gut, dass es etwas gibt, was über das hinausgeht, was ich mit meinen begrenzten Fähigkeiten erfassen kann!

In diesem Sinne grüße ich Sie alle und wünsche Ihnen gesegnete Monate Februar und März!

herzlichst Ihre
Pfarrerin Margret Noltensmeier

 

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (12/17+01/18)

Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten
(Jesaja 52, Vers 7)

Liebe Leserinnen und Leser,

die Sprache der Füße, so sagte es jemand, sei ehrlicher als die Sprache der Lippen: Stimmen können lügen. Aber wie einer auftritt, zeigt meist sehr deutlich, was er will. Wie jemand hineinkommt in einen Raum, das spricht meistens eine ganz eindeutige Sprache. Oder wie jemand ankommt: auf dem Bahnhof oder zu Hause nach der Schule. Und Sie kennen sicherlich auch die Schritte Ihrer Lieben.

Grundsätzlich ist es schön, die Schritte zu hören, wenn er oder sie überhaupt nach längerem Warten nach Hause kommt. Je nachdem, welcher Art seine oder ihre Schritte gerade sind, wissen Sie vielleicht auch sofort, wie die Person gestimmt ist. Kommt sie aufgeregt nach Hause oder eher zögerlich? Im Beruf empfiehlt es sich wahrscheinlich manchmal auch, auf die Schritte der Chefin oder des Chefs zu achten. Wie hören sich die Schritte an, gut gelaunt oder ärgerlich?

Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten: lieblich. Das verspricht Gutes, Neues, etwas, auf das man sich freuen kann. Das sind keine bedrohlichen Schritte in Stiefeln, wie wir sie vom Militär aus den verschiedenen Diktaturen der Welt kennen. Es sind Füße, die nichts und niemanden zu Boden treten.

Später in diesem Abschnitt bei Jesaja wird das Wort „lieblich“ noch genauer erklärt. Lieblich sind die Füße, weil sie die gute Botschaft bringen, dass Gott zurückkommt.
„Gott kommt zurück!“ sagen die Füße.
Diese Vorstellung setzt voraus, dass Gott gegangen ist. Dass er jederzeit gehen kann. Von einem Tag auf den anderen.

Wahrscheinlich gibt es gerade zur Weihnachtszeit, die so stark vom Kommen Gottes in diese Welt redet, viele Menschen unter uns, die sich im Gegenteil von Gott verlassen fühlen. Die den Eindruck haben, von Gott verlassen worden zu sein. Vielleicht ist irgendetwas passiert, was sie nicht mehr richtig froh werden lässt oder was sie daran zweifeln lässt, dass Gott jemals zu ihnen zurückkommt.
Gott kommt zurück, sagt der Prophet. Also ist er gegangen.

Manchmal frage ich mich, wie es bei uns in der Kirche ist. Sind wir hier in Deutschland, egal ob evangelisch oder katholisch, wirklich eine Kirche, in der Gott sich zu Hause fühlt, in die hinein er geboren werden will?

Ja, ist er überhaupt noch hier oder ist er vielleicht auch schon längst gegangen? Ist er nicht gerade zu den Randständigen und Ausgestoßenen- wie den Hirten- gekommen? Wo sind diese Menschen in unseren Gemeinden?

Für wen und wie treffen wir unsere Entscheidungen? Welche Maßstäbe wenden wir an? Entscheiden wir im Geist Jesu, oder lassen wir uns von dem treiben, wie es üblich ist, vom Mainstream, so, wie man es halt macht?

Wohin würde Gott mit Freude zurückkommen, vorausgesetzt, er ist gegangen?
Gott kommt zurück, sagt der Prophet. Darum – so sagt er weiter: Freut euch, ihr Trümmer Jerusalems.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Trümmer sich freuen können. Trümmer sind für mich der Inbegriff zerstörten Lebens. Wie erschütternd ist es, wenn jemand sagt: „Mein ganzes Leben liegt in Trümmern.“ Wie oft haben wir im vergangenen Herbst wieder die Trümmer gesehen, die von den Hurrikans Irma, Harvey, Maria und wie sie noch alle heißen hinterlassen wurden. Alles in Trümmern.
Trümmer sollen sich freuen, jubeln können?

Manchmal geht im eigenen Leben alles in die Brüche: Nichts scheint sich reparieren zu lassen, weder die Beziehung zu den Kindern, den Eltern, den Arbeitskollegen…
Solche Trümmer sollen jubeln? Es ist schwer vorstellbar. Aber: Es ist bald Weihnachten. Warum eigentlich feiere ich, feiern viele Menschen eigentlich immer noch dieses Fest? Mir selbst wird zu keiner anderen Zeit des Jahres als zu Weihnachten so deutlich, wie stark mein Leben von einer Vision, von Hoffnung getragen wird: von der Vision, dass Gott heil machen kann, was kaputt ist. Gut, niemand von uns wird gleich dieses Jahr zu Weihnachten erleben, dass sofort alles heil wird, was zerbrochen ist oder sogar in Trümmern liegt. Aber kleine Dinge ändern sich vielleicht schon jetzt zum Guten. Und für alles Andere, was noch kaputt ist, gibt es noch viele Weihnachtsfeste, alle Jahre wieder.

In diesem Sinne grüße ich Sie mit den besten Wünschen für die Advents- und Weihnachtszeit und für ein gesegnetes Neues Jahr 2018.

Herzlich,
Ihre Pfarrerin Margret Noltensmeier

 

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (10+11/17)

Ziehe deine Schuhe von deinen Füßen, denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land.
(2. Mose 3, Vers 5)

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn dieser Gemeindebrief erscheint, ist es sicherlich zu kalt, um barfuß zu laufen. Auch in diesem Sommer ging es nicht so gut, da auch er eher kühl und verregnet war.
Wer allerdings in südlichen Gefilden war, konnte dies tun und das Gefühl genießen: den Boden unter den Füßen spüren und sich vom Untergrund gewissermaßen massieren lassen.
Barfuß zu gehen oder auf Strümpfen erfordert aber – jedenfalls für Menschen, für die es ungewohnt ist - generell mehr Vorsicht als in Schuhen unterwegs zu sein. Ich könnte in irgendetwas hineintreten, könnte mir wehtun.

Diese Vorsicht und diese Achtsamkeit werden wahrscheinlich auch für Mose wichtig, als Gott ihn dazu auffordert, die Schuhe auszuziehen. Sie erinnern sich sicherlich an die Geschichte: Mose hütet die Schafe seines Schwiegervaters und mitten in seiner Arbeit entdeckt er, dass unweit des Weideplatzes der Tiere etwas brennt. Mose nähert sich und erkennt einen Dornbusch, der in Flammen steht. Mose sieht genauer hin und denkt: Merkwürdig, der Busch brennt zwar, aber er ver-brennt gar nicht. Da hört er schon eine Stimme: Ziehe deine Schuhe aus, denn der Boden, auf dem du stehst, ist heilig.
Gott will Mose begegnen, sich ihm bekannt machen. Dafür wird Mose aufgefordert, seine Schuhe auszuziehen.

2017 spurenimsandWas geschieht genau, wenn ich meine Schuhe ausziehe? Ich werde achtsamer, muss mich stärker konzentrieren, wo ich hintrete, werde gleichzeitig auch verletzlicher, mache mich verwundbar. Und ich öffne mich stärker, gebe etwas von mir preis. Ich finde es schön, dass man auch in Deutschland langsam dazu übergeht, sich vor dem Betreten einer (fremden) Wohnung die Schuhe auszuziehen. Die unterschiedlichen Bedeutungen, die dieser Gewohnheit in anderen Kulturkreisen gegeben werden, kenne ich nicht alle. Aber für mich hat es etwas mit Respekt und Achtung vor dem Gastgeber zu tun und vielleicht auch der Absicht, mich für die Zeit des Besuches „ganz zu Hause“ zu fühlen.

Der „heilige Boden“ erfordert von Mose, die Schuhe von den Füßen zu nehmen. Auch im Alltag habe ich zuweilen den Eindruck, heiligen Boden zu betreten. „Der Feierabend ist mir heilig“ sagen manche oder „Meine Familie ist mir heilig“. Was mich in der letzten Zeit sehr angerührt hat, ist ein Ausspruch von Papst Franziskus, in dem er jede Begegnung mit einem anderen Menschen als „heiligen Boden“ bezeichnet. Besonders bei der Begegnung mit Fremden, mit Menschen, gegenüber denen ich Vorurteile habe oder denen ich mich aus freien Stücken heraus nicht zuwenden würde, gilt der Satz: „Nimm deine Schuhe von den Füßen, denn der Boden, auf dem du stehst, ist heilig.“

Ich wünsche Ihnen frohe und erfüllte Herbsttage,
herzlichst
Ihre Pfarrerin Margret Noltensmeier

 

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (8+9/17)

Lebt als Kinder des Lichts! (Epheser 5, Vers 8b)

Liebe Leser, liebe Leserinnen,

der Sommer ist die Zeit des Lichts. Selbst wenn Sie diesen Gemeindebrief in den Händen halten, wird es zumindest abends noch recht lange hell sein. Vielleicht geht es Ihnen auch so, dass das Licht des Sommers Sie in einen anderen Menschen verwandelt.

„Summertime and the livin’s easy“, singen Ella Fitzgerald und Louis Armstrong. Sommer: das Leben ist so leicht. Ja, das Leben ist leichter im Sommer, das werden viele Menschen bestätigen: Ich kann - ohne mich warm einzupacken - einfach rausgehen, kann auch am Abend noch draußen aktiv sein und überhaupt: Sonne und Licht stimmen mich optimistisch und hoffnungsvoll.

Im Epheserbrief fordert Paulus die Menschen auf, zu jeder Zeit – egal ob im Sommer oder im Winter – als Menschen des Lichts zu leben. Weil Gott sogar in dunklen Zeiten sein Licht in die Welt schickt, sind wir Kinder des Lichts.

Rose Ausländer spricht davon, dass wir auf diese Weise in unserem Leben „Lichtstrategien“ entwickeln können. Dieser Begriff der Lichtstrategien gefällt mir sehr. Was könnten Lichtstrategien in meinem Leben sein? „Hoffnung und Mut gegen die Angst“ würden die einen sagen. „Vertrauen und Loslassen gegen die Sorge“ sagen die anderen. Oder Offenheit und die Bereitschaft, mich auf Dinge einzulassen und Neues zu erfahren anstatt zu sagen: So ist es, ich weiß und kenne das. Die Offenheit, auch im Vertrauten immer wieder Neues zu entdecken und mich überraschen zu lassen, könnte eine Lichtstrategie sein.

Paulus zählt auch „Lichtstrategien“ auf. „Lebt als Kinder des Lichts“ sagt er. „Die Frucht des Lichts ist lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Sommer.

Herzlichst Ihre
Pfarrerin Margret Noltensmeier

Goldene Konfirmanden. Foto: Foto Beckmann aus Schieder

 

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (6+7/17)

Liebe Leser, liebe Leserinnen,

Was begeistert Sie? Und wann waren Sie das letzte Mal begeistert? Wenn wir unsere Konfis und ihre Familien fragen würden, dann würden manche von ihnen vielleicht antworten: Bei der Konfirmation...denn es war so ein schöner Tag, die festliche Stimmung, die ganze Familie zusammen, ach und vieles mehr... Begeisterung ist meines Erachtens aber nicht nur mit den ganz „großen“ Dingen im Leben verbunden. Sicherlich kennen Sie alle die Momente, in denen ein Mensch Sie begeistert: Er erzählt von seinen Plänen oder Vorhaben oder sie schildert, wie sie mit bestimmten Dingen in ihrem Alltag umgegangen ist. Und Sie merken: Oh, diese Person sieht und macht das alles ganz anders als ich, so könnte ich selbst es doch auch einmal probieren...Ein Funke springt über, ich werde „in Brand gesetzt“. Ja, Begeisterung ist nämlich genau das: Feuer und Flamme sein. Das erzählt uns die biblische Pfingstgeschichte: Auf die Menschen setzen sich kleine Feuerflammen, sie sind begeistert, das heißt berührt vom Geist Gottes.

Wenn der Geist Gottes uns in Brand setzt, dann geschieht laut Bibel etwas, was wir uns oft in unserem Alltag wünschen: es geschieht gelingende Kommunikation. Denn das erleben viele von uns: ob ein Gespräch glückt, das habe ich oft nicht in der Hand. Manchmal bleibe ich verärgert, gekränkt oder auch voller Fragen zurück. Ich kann mich bemühen, mich einfühlen und dem Anderen mit der mir möglichen Wertschätzung begegnen ... und doch klappt es nicht. Wir sagen in solchen Fällen, dass die Chemie nicht stimmt oder nicht mehr stimmt (was es auch gibt).

Dass die Chemie nicht stimmt, das ist eine weltliche Betrachtungsweise. Von der Pfingstgeschichte aus gesehen würde ich sagen: der Geist fehlt (noch) in solchen Gesprächen. Immer wenn die Kommunikation in einer Sackgasse ist, wenn Missverständnisse nicht ausgeräumt werden können, das Vergangene immer wieder aufgewärmt werden muss und niemand bereit ist zu verzeihen, dann ist der Geist noch nicht da. Ich kann Gott dann darum bitten, mit seinem Geist zu kommen. Und manchmal geschieht das dann: Auf einmal ist wieder ein Gespräch möglich, auf einmal gehen Menschen wieder aufeinander zu. Und der neue Anfang ist zuweilen von größerer Sensibilität und Achtung voreinander als zuvor.

Ich grüße Sie herzlich und wünsche Ihnen allen, und diesmal insbesondere unseren „frisch“ Konfirmierten - da wir uns nun nicht mehr regelmäßig sehen - schöne Sommermonate Juni und Juli.
Ihre Pfarrerin Margret Noltensmeier

 

(Foto: Rostfreies Herz)

 

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (4+5/17) 

Liebe Leser, liebe Leserinnen,

wenn unser Gemeindebrief in seinem neuen „Gewand“ bei Ihnen zu Hause ist, feiern wir bald das Osterfest.

Ich freue mich schon auf Ostern, sowohl als Familienfest als auch auf den Gottesdienst mit dem anschließenden gemeinsamen Frühstück hier bei uns im Gemeindehaus.
Ich gestehe, dass ich mich in diesem Jahr sogar ein bisschen danach sehne, dass es endlich Ostern wird. Denn es gibt manche Zeiten im Jahr, die in besonderer Weise von schweren Erlebnissen und Schicksalsschlägen überschattet werden. So habe ich auch die letzten Wochen wahrgenommen und viele von uns sind immer noch davon erschüttert, wie schnell und unvorbereitet der Tod manchmal in unser Leben bricht.
So bestimmen oftmals Trauer und Abschiedsschmerz gerade die Tage. Dass wir in einigen Wochen Ostern feiern, beendet nicht, was manche von uns gerade erleben.

Aber trotzdem kann Ostern die Perspektive verändern:
Es ist schwer, an einem Grab zu stehen und ein offenes Grab, in das der Sarg oder die Urne versenkt werden, markiert das Ende so deutlich. Wenn ich da stehe, nehme ich immer besonders wahr, wie still es ist: Totenstille, Grabesstille. Zunächst scheint alles abgerissen: jeder Gesprächsfaden, jede Kommunikation, alles vorbei, aus. Diese Stille da am Grab, ja, das Schweigen der Gräber kann hoffnungslos machen. Diese Hoffnungslosigkeit würde mich tatsächlich wohl auch überrollen, wenn...: wenn es Ostern nicht gäbe.

In der Ostergeschichte des Johannes steht Maria, ebenso wie wir es oft tun, an einem offenen Grab. Doch im Gegensatz zu wohl den meisten von uns sieht sie nicht nur die frische, ausgehobene Erde, die bereit ist, den Sarg oder die Urne in sich aufzunehmen. Sondern sie sieht mehr. Johannes schreibt: Maria schaute in das Grab und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den anderen zu Füßen, wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten (Johannes 20, Verse 11 und 12).
Es sind Engel im Grab!

Von diesem Gedanken komme ich nicht mehr los und er geht mir immer noch unter die Haut. Vielleicht ist es mein persönliches Problem, dass ich die Verstorbenen großenteils nicht im Grab finde. Sicher, ich kann Blumen bringen, den Grabstein anschauen, die Inschriften meditieren und oft auch die Ruhe und Stille des Friedhofs oder die Geräusche des Lebens um ihn herum in mich aufnehmen. Aber die Verstorbenen sind eher im Herzen, gehen mit mir mit und können mir nahe sein, egal wo ich bin. Für viele Menschen jedoch ist das Grab der Ort, an dem die Nähe intensivst gespürt wird, ohne den bestimmte Gedenktage, der Geburtstag, der Sterbetag nicht möglich wären.

Aber wenn ich lese, dass Engel im Grab sind, dann lässt mich das erschaudern: Engel sind die Verbindung unserer vorfindlichen sichtbaren Welt zur Welt Gottes. Engel im Grab... Leben im Grab! Licht, Gott selbst im Grab! Unsere Verstorbenen sind nicht weg, nicht tot, Gott selbst hält die Verbindung aufrecht, wir können sie erreichen, in dieser anderen Welt, über seine Botschafter gewissermaßen. Welch eine Hoffnung gibt uns Ostern gerade in unseren dunklen Zeiten!

Ich wünsche Ihnen allen, dass auch Sie sich über diese Hoffnung freuen können und wünsche Ihnen in diesem Sinne frohe Ostern!
Herzlichst Ihre Pfarrerin Margret Noltensmeier

 

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier

„Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut“ (Matthäus 2,10)

Liebe Leser und Leserinnen,

in diesen eiskalten Winternächten ist der Himmel ja oft sternenklar.
Auch wenn ich nicht - wie die drei Weisen auf dem Weg zum Stall von Bethlehem - einen bestimmten Stern suche, so kann ich ihre Freude doch nachvollziehen.
Vielleicht kennen Sie das auch: Sie gehen noch mal raus etwas später am Abend, zum Briefkasten oder mit dem Hund, und finden sich dann unter dem sternübersäten Himmel wieder.
Es ist ein Erstaunen, es ist Ehrfurcht vor der Größe der Schöpfung und natürlich auch Freude über ihre Schönheit.
Die drei Weisen sind hocherfreut, als sie den Stern sehen, weil sie nun die Richtung wissen, in die sie gehen müssen, um das Kind zu finden.
In meiner Freude beim Anblick des Sternenhimmels fühle ich mich den Weisen nahe. Wie sie weiß ich mich in einen größeren Zusammenhang gestellt, wie sie erahne ich beim Betrachten der Sterne die Größe Gottes und seine Bedeutung für mein Leben. In den „Sternstunden“, von denen ich uns allen im Neuen Jahr die eine oder andere wünsche, wird es wohl am stärksten deutlich. Sternstunden sind Momente, Augenblicke, oft gar nicht mal ganze Stunden, die meiner eigenen Gestaltung völlig entzogen sind: Ich hatte vielleicht etwas geplant, ganz normal, und dann kommt plötzlich etwas Anderes, mehr, etwas Besseres, Schöneres, mit dem ich nicht gerechnet habe! Vollkommen geschenkt.

Die Weisen sind hocherfreut, als sie den Stern sehen.
Sie erleben eine Sternstunde.
Was geschieht in dieser Sternstunde mit ihnen? Sie finden den Ort, an dem Jesus geboren wird. Sie finden den Weg zu anderen Menschen, zu Maria, Josef und dem Kind. Der Stern ermöglicht ihnen eine Begegnung, die sie prägen wird.
Ja, es sind doch zumeist Begegnungen, die uns eine Sternstunde verschaffen, oder? Und die Art der Begegnung vielleicht auch: Vielleicht hatte ich Ärger oder habe mir Sorgen gemacht, und dann schafft es eins der Kinder oder die Frau oder der Mann, eine ganz andere Stimmung in meinen Tag zu bringen. Oder ich rede mit jemandem und weiß: „Das vergess ich jetzt erst mal nicht. Denn das hat gut getan.“
Begegnungen werden in unserer Gesellschaft und unserer Welt von Tag zu Tag wichtiger. Denn die Begegnungen sind es, die dazu helfen, Ängste und Vorurteile abzubauen und die dazu beitragen, dass wir bei aller Unterschiedlichkeit friedlich miteinander leben können.
Die Weisen lassen sich auf die Begegnung ein und gehen „auf einem anderen Weg“ in ihr Land zurück.
Begegnungen (und Sternstunden!) verändern und lassen uns andere Wege gehen, als wir zuvor geplant haben.
Die Weisen sind mir liebe Weggefährten, denn ich erkenne, dass ihre Wege ganz schön verschlungen sind: Erst gehen sie nach Jerusalem, ins Zentrum der Macht, dann ganz an den Rand nach Bethlehem. Und dann entscheiden sie sich, auf einem ganz anderen Weg als zuvor nach Hause zurückzukehren. Verschlungene Wege: weiß ich, wissen wir, wie meine, unsere Wege in 2017 verlaufen?
Tröstlich ist, dass die Weisen trotzdem zum Ziel kommen, auch auf einem anderen Weg! Sie gelangen wieder in ihr Land zurück. Ist das nicht ungeheuer beruhigend: Auch zu den verschlungensten Wegen gehört ein Ziel, und ich, wir kommen dahin!

In diesem Sinne grüße ich Sie und wünsche Ihnen für alle Wege in 2017 die Gewissheit, dass ein Stern Sie leitet.
Herzlichst Ihre Pfarrerin Margret Noltensmeier

 

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (12/16)

Vergisst etwa eine Mutter ihren Säugling? Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet (Jesaja 49,16.17)

Liebe Leserinnen und Leser,

schon bald nach Erscheinen dieses Gemeindebriefes feiern wir Weihnachten.
Das ist nicht zu fassen: Schon wieder ein Jahr!
Im Moment in dieser - zwar vom Wetter her noch hellen- aber doch eher besinnlichen Zeit des November denke ich besonders an alle, bei denen im vergangenen Jahr etwas Schweres passiert ist: vielleicht kam die Diagnose einer schweren Krankheit, vielleicht ist eine Beziehung zerbrochen oder ein lieber Mensch gestorben. Oder vielleicht wollen die Sorgen um einen lieben Menschen nur einfach nicht weichen.

In all diesen Fällen ist Weihnachten dann anders.
Gott kommt auf die Welt. Doch liegt nicht die Frage nahe: Kommt er wirklich auch zu mir? Menschen, denen es schlecht geht, fragen sich oft, ob Gott sie vergessen hat. Was soll er denn auch noch mit meinem Leben zu tun haben, in dem ich es so schwer habe?

„Gott, du hast uns vergessen“ beklagen sich auch die Israeliten in einer ausweglosen Situation.
Aber als diese Klage ertönt, da mischt Gott sich ein. Da muss er sich zu Wort melden. Diese Beschwerde kann er nicht auf sich sitzen lassen Und er fährt ganz schön was auf. Er bringt den Gedanken, gegen den am schwersten etwas einzuwenden ist: Den Gedanken an die Mutter, die ihr Kind niemals vergisst.

„Vergisst denn etwa eine Mutter ihren Säugling?“

Doch, doch, ab und an kommt auch das vor, wende ich ein, aber normalerweise sollte und will sie es ja nicht: Es muss ihr selbst schon sehr schlecht gehen, wenn sie das tut...

„Aber selbst dann, selbst dann wenn das geschehen sollte“, sagt Gott: „Ich aber, ich vergesse dich nicht!“

Und um es zu unterstreichen und um ja keinen Zweifel aufkommen zu lassen, benutzt er nun eines der schönsten Bilder, die es in der Bibel gibt: Das Bild von der Hand.

„Siehe in die Hände habe ich dich gezeichnet“.

Siehe, in die Hände...

Die Hände eines Menschen ...mit den Händen mache ich so viele Dinge und sie erzählen von mir, von meinem Leben. Die Hände des Vaters, der Mutter, der Großmutter oder des Großvaters werde ich immer in Erinnerung behalten, selbst nach deren Tod. Ich weiß, wie sich anfühlen und ich weiß, in welchen entscheidenden Momenten sie mich berührt haben oder umgekehrt. An ihren Händen wurde ich selbst gehalten und an ihren Händen wurde ich ins Leben geführt.

„Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet.“

Mit einem der stärksten Bilder für Nähe überhaupt, mit dem Bild der Hände greift Gott hier ein, um sich gegen den Vorwurf der Ferne und der Abwesenheit zu wehren. Denn auch am Ende des Lebens sind es die Hände. Dem Sterbenden die Hand zu halten, sie zu streicheln, das ist die Nähe bis zum Ende. Wenn alles andere weggebrochen ist, die Sprache und große Teile der Gefühlswelt, dann können die Hände immer noch sprechen.
Die Hände: wie gut, wie wohltuend auch, dass Gott hier so deutlich von seiner Körperlichkeit redet .Das kommt mir nahe. Dass Gott ein Mensch wird, dass er in einem Körper ist, der genauso lebendig, aber auch genauso verletzlich ist wie mein eigener, das ist das Geheimnis von Weihnachten.

Ich grüße Sie alle in dieser Advents-und Weihnachtszeit,
herzlichst Pfarrerin Margret Noltensmeier