Andachten

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (August - September 2018)

Liebe Leserinnen und Leser,

jetzt ist Urlaubszeit und Reisezeit.

Viele Menschen erzählen mir, dass sie sich gerade im Urlaub Zeit nehmen, verschiedene Kirchen zu besichtigen und manchmal sogar in „jede Kirche gehen“, die am Weg liegt.

Unsere eigene Kirche kann auch von den vielen Menschen erzählen, die sie in den Sommermonaten besuchen, das Gästebuch, das in ihr ausliegt, gibt manchmal etwas von deren Gedanken und Erlebnissen wieder. Es schreiben Menschen in das Gästebuch, die unterwegs sind und sich dem Raum unserer schönen Kirche öffnen wollen, aber manchmal scheint es bei ihren Einträgen auch so, als hätten sie bewusst gerade diesen Ort aufgesucht: als Ort, der ihnen gerade in diesem Moment, in einer speziellen Lebenssituation, Kraft gibt.

Ich glaube, dass der Kirchenraum dazu verhelfen kann, sich selbst ganz nahe zu kommen. Viele Menschen sagen: wenn ich eine Kirche betrete und dann vielleicht noch eine bestimmte Musik gespielt wird, kommen mir meistens die Tränen.

Tränen sind ja bei weitem nicht nur ein Ausdruck für Traurigkeit, sondern das Zeichen dafür, dass etwas Wesentliches in mir angesprochen wird. Wenn mir die Tränen kommen, kann das bedeuten, dass ich zu meinem Inneren, meinem Wesentlichen gelangt bin. Es gibt Therapeutinnen, Berater und Seelsorgerinnen, die die Gabe haben, ihre Gesprächspartner recht schnell genau dahin zu führen.

In der Bibel wird auch oft von Menschen erzählt, die weinen, weil sie bei sich selbst und einer tiefen Erkenntnis über ihr Leben angelangt sind. Zum Beispiel gibt es die Geschichte von Josef, der von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft wurde, weil sie auf ihn - den Lieblingssohn des Vaters- eifersüchtig waren. Josef macht in Ägypten Karriere und auf verschlungenen Wegen kommt es auch nach vielen Jahren zu einem Wiedersehen und – vor allem! – zu einer Aussöhnung mit den Brüdern. Die Josefsgeschichte endet im Grunde damit, dass Josef weint. Aber seine Tränen bedeuten nicht, dass er vor lauter Verzweiflung über die schlimmen Erfahrungen der Vergangenheit weint. Nein, Josef ist zu Tränen gerührt, weil er zu dem Kern seiner Lebenserfahrung kommt. Diese ist festgehalten in dem bekannten Satz der Josefsgeschichte: Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut mit mir zu machen.

Gott gedenkt es gut mit uns zu machen… in allem, was uns sonst so widerfährt. Diese Erkenntnis rührt häufig zu Tränen.

Ich grüße Sie herzlich und wünsche Ihnen noch schöne Tage in diesem „Jahrhundertsommer“,
Pfarrerin Margret Noltensmeier

 

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (Juni - Juli 2018)

Darum sollt Ihr nicht sorgen… (Matthäus 6, 31 a.c)

Liebe Leserinnen und Leser,

das ist einer meiner Lieblingsabschnitte in der Bibel: Der Aufruf Jesu, dass wir uns keine Sorgen machen sollen. Ich lasse mich einfach – wenn ich mich selbst sorgenschwer erlebe - in diese Worte hinein fallen und denke: Gott weiß, was ich brauche und wird für mich sorgen.

In seiner Rede über die Sorgen wird Jesus aber an manchen Stellen konkreter: Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: …Womit sollen wir uns kleiden?

Ich denke, dass die Kleidung hier - genauso wie der Hinweis auf Essen und Trinken kurz zuvor - stellvertretend für das Lebensnotwendige steht. Und ich mache ja auch die Erfahrung, dass ich – anders als Menschen in anderen Gegenden dieser Welt - tatsächlich das, was ich zum Leben brauche, oft sogar im Überfluss habe: Essen, Trinken, Kleidung. Ich muss mir darum keine Sorgen machen. Trotzdem – und das geht jetzt gewiss von der Zielrichtung, die Jesus dabei hat, ein bisschen weg - bin ich der Meinung, dass wir Sorge dafür tragen sollten, wie wir uns kleiden.

Ich kann mich nicht jeden Tag gleich kleiden, sondern muss darüber nachdenken, ob meine Kleidung zu dem jeweiligen Anlass passt. Manchmal gibt der berufliche Zusammenhang sowieso einen bestimmten Dresscode vor. Die Umgebung bestimmt doch oft die Art, wie ich mich kleiden soll. Ich schäme bzw. fremdschäme mich zum Beispiel, wenn westliche Touristen in Ländern, in denen es üblich ist, den Körper zu bedecken, in Hot Pants und Spaghettitops herumlaufen. Das ist respektlos gegenüber dem Gastland. Was ich sehr schade finde, ist dass in unserer Gesellschaft – so scheint es mir jedenfalls – der Unterschied zwischen dem Alltagsoutfit und der Kleidung für besondere Anlässe zunehmend verwischt. Im Theater, in der Oper oder im Musical fällt mir oft auch, dass Menschen sich dafür nicht mehr extra „in Schale werfen“. Sicherlich, das vereinfacht die ganze Sache oft. Da viele Menschen sehr viel zu tun haben, bedeutet es weniger Stress, wenn ich gleich aus meinem Alltag nahtlos zum besonderen Kulturprogramm übergehen kann. Trotzdem geht dadurch meines Erachtens etwas verloren: dass der Anlass wirklich etwas Herausgehobenes, nicht Alltägliches ist, dem ich durch meine Kleidung Ausdruck verleihe.

In ähnlicher Weise verändern sich die Gebräuche bei Beerdigungen und Trauerfeiern. Manchmal schreiben Angehörige in die Traueranzeige: „Auf Wunsch von ….bitten wir, von Trauerkleidung abzusehen“. Diesem Wunsch eines Verstorbenen ist meiner Meinung nach selbstverständlich entgegenzukommen. Darüber hinaus gibt es – so erlebe ich es hin und wieder – aber auch Sterbefälle, zu denen keine schwarze Kleidung passt. Das mag begründet liegen im Wesen des Verstorbenen, in der Art, wie er oder sie gestorben ist und vielem mehr. Und sicherlich ist das, was ich dann anziehe, auch mit viel Überlegung und Nachdenken ausgewählt.

Aber abgesehen davon und im Zweifelsfall kann ich trotzdem dem „Schwarz“ sehr viel abgewinnen. Auch wenn ich nicht selbst betroffen bin, so drücke ich durch meine Kleidung meinen Beistand und meine Solidarität mit denen aus, die einen Menschen verloren haben und für die dies auf einen tiefen Einschnitt in ihrem Leben hinweist. Ich fände es schade, wenn gar nicht mehr sichtbar würde, dass der Tod etwas Besonderes ist in unserem Leben. Und wenn es mich trifft, dann könnte ich mir vorstellen, dass – wenn ich es äußerlich markiere - es mir hilft, es innerlich zu verarbeiten.

Darum sollt Ihr nicht sorgen und sagen: … Womit sollen wir uns kleiden?
Wenn uns nun schon die Sorge um das „Dass“ der Kleidung abgenommen ist, so ist es vielleicht um so wichtiger, Sorgfalt auf das „Wie“ zu verwenden.

Ich grüße Sie herzlich,
Pfarrerin Margret Noltensmeier

 

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (April - Mai 2018)

Liebe Leserinnen und Leser,

2018 emmausim Chorraum unserer Kirche hängt das Bild der Emmausjünger, das viele von Ihnen sicherlich kennen.
Es zeigt drei Männer, die unterwegs sind, einen Weg gehen. Ich glaube, dass es dieses „Unterwegssein“ ist, das vielen Menschen dieses Bild so wertvoll macht. Vielleicht ist deshalb auch das Wort „unterwegs“ seit einiger Zeit zu einem sehr häufigen und beliebten Wort unserer Sprache geworden.

„Wie bist du denn unterwegs?“ höre ich manchmal besonders jüngere Menschen fragen. Oder ich sage selbst: „Das zeigt schon, wie er oder sie unterwegs ist:“ Es wird dabei aber gar nicht mehr unbedingt an die Fortbewegung, das Gehen oder Fahren gedacht, sondern eher ist dabei im Sinn, was ein Mensch in einem bestimmten Zeitraum oder in seinem Leben „so macht“, was er denkt, was er für Pläne hat, wie er „unterwegs“ ist. Das Leben als Weg – auch wenn ich mich gar nicht fortbewege, sondern für längere Zeit am selben Ort bleibe.

Unterwegs sein: Wie auf dem Bild im Chorraum, sind wir oft nicht allein unterwegs, sondern wir haben Weggefährtinnen und Weggefährten. Manche Menschen begleiten mich ein Leben lang, in Jahren oft noch länger als die Mitglieder der Kernfamilie: ein alter Freund aus Kindergarten- oder Grundschulzeiten, ein Nachbar oder eine Nachbarin von früher, der Bruder oder die Schwester.

Andere sind Lebensabschnittsgefährten: Ich bin eng mit ihnen verbunden in einem bestimmten Lebensabschnitt, in der Ausbildung, der Phase der Kindererziehung oder während einer Reise. Aber egal, ob kurz oder lang: Allen gemeinsam ist, dass sie mitgehen, dass wir miteinander gehen. Oft hat dieses gemeinsame Unterwegssein etwas ganz Leichtes: Wir unternehmen Dinge gemeinsam, lachen, essen, trinken und feiern miteinander. Dann wiederum kann es schwieriger werden, je nachdem, wie es mir oder denen, die bei mir sind, geht. Manchmal gehen wir miteinander durch Tiefen und Krisen des Lebens. Dann tun unterschiedliche Dinge gut: Ich kann den anderen oder die andere bekochen, kann Fahrdienste übernehmen, oder ich höre einfach nur zu oder versuche, ihn oder sie zu bestärken und zu ermutigen. Ich halte das, was er oder sie durchmacht, mit aus. Egal, was ich mache: Hauptsache, ich bin da.

Es sind besonders die Zeiten der Krise, in denen wir Menschen nach Gott fragen. Und oft genug sagen wir: Wo bist du eigentlich Gott? Du scheinst kein Weggefährte zu sein! Wieso muss ich das jetzt erleben, warum hilfst du mir nicht? Warum machst du nicht, dass es mir besser geht, warum muss ich dies erleben?

„Gott ist kein Antwortgewinn“ sagt der Theologe Otmar Fuchs. Es gibt nicht die Erklärung, die endgültige Antwort auf diese Fragen, mit der man diese ein für alle Mal „abhaken“, ihnen ein Ende machen könnte. Aber auch wenn das nicht so ist, denke ich, dass Gott trotzdem eine Antwort gibt, dass er etwas zu unseren Fragen sagt.

Seine Antwort ist: „Ich war in all diesen Zeiten bei euch. In den Zeiten eures Leidens, eurer Krise, in den Zeiten, in denen es euch schlecht ging. Ich war in all diesen Zeiten bei euch, mit euch unterwegs. Und ich werde es weiterhin sein.“

Ich wünsche Ihnen eine Osterzeit und ein fröhliches Pfingstfest,

herzlichst Ihre
Pfarrerin Margret Noltensmeier

 

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (Februar - Ostern 2018)

Liebe Leserinnen und Leser,

neulich zeigte mir eine Bekannte ein paar Fotos aus dem Skiurlaub. Wunderbare Berglandschaft, von glitzerndem Schnee bedeckt. „Schau, auf diesem Bild ist ein Engel im Schnee“, sagte sie. „Hmm….“, dachte ich. “Sehe ich nicht. Ich seh nur weiß, ein paar Menschen ganz im Hintergrund. Aber ein Engel im Schnee? Für mich nicht erkennbar, da kann ich das Bild drehen und wenden wie ich will.“ „Doch schau doch, da ist er.“ Sie kann noch so oft darauf zeigen, ich sehe da nichts. Was soll ich nun antworten? Das ist Quatsch, auf dem Bild ist nur Schnee, da ist kein Engel? Nein, ich denke, so geht die Antwort nicht. Nur weil ich den Engel nicht sehe, heißt es nicht, dass da keiner ist.

Aber vielleicht sollte ich mit etwas Alltäglicherem beginnen. Ganz normale Gespräche in der Familie oder dem Freundeskreis. Der eine behauptet dies, die andere das. Und schon geht es ganz schnell darum, wer Recht hat. Keiner hat Recht und keine. Wie die Dinge wirklich sind, weiß keiner. Es ist alles eine Frage meiner eigenen Perspektive. Natürlich darf ich die Dinge so sehen, wie ich möchte. Unbedingt! Aber ich darf nicht von meiner Frau, meinem Bruder oder meiner Mutter verlangen, dass sie für sie ganz genauso so sind wie für mich. Das wird niemals so sein. Und wenn alles auch ganz ähnlich oder sogar gleich scheint, es wird immer irgendeinen Unterschied geben.

Schwierig wird es ja, wenn wir vollkommen auseinander liegen mit unseren Meinungen. Dann kommt es oft zu Streit. Wann sieht er, sieht sie das endlich ein? Warum sollte er, sollte sie etwas einsehen? Und dann noch dazu etwas, was ich mir in den Kopf gesetzt habe? Warum sollte ausgerechnet bei mir „die Wahrheit“ sein?

Vor einiger Zeit war der Ausdruck „Isso“ für „so ist es (und nicht anders)“ sehr aktuell, meiner Wahrnehmung nach wird mittlerweile wieder weniger von ihm Gebrauch gemacht. Zum Glück, finde ich. Denn „isso“ gibt es nicht, nichts ist so. Nichts ist so, wie ich es denke oder für richtig halte. Denn: Es könnte auch alles ganz anders sein. Es könnte auch alles ganz anders sein… Ist das nicht eine wunderbare Erkenntnis? Lockt das nicht, auf Entdeckungsreise zu gehen? Kann ich nicht ganz spannende Dinge entdecken, wenn ich nicht meine, alles schon zu wissen und zu kennen, was mein Gegenüber mir erzählt? Öffnet sich mir nicht die Welt, wenn ich neugierig bleibe und in der Haltung durchs Leben gehe, dass es selbst beim vermeintlich Altbekannten noch ganz viel Neues zu erforschen gibt?

Beim Propheten Jesaja heißt es: Wenn du durchs Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen. Und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen (Jesaja 43,Vers 2). Da könnte ich nun sagen. Absoluter Quatsch: Jeder weiß, dass man in der Strömung ertrinken kann und im Feuer verbrennt. Diese Vorsicht vor Feuer und Wasser versuchen wir doch, unseren Kindern als erstes nahe zu bringen.

Doch hier hält plötzlich jemand gegen jede menschliche Erfahrung dagegen: Wenn du durchs Wasser gehst, will ich bei dir sein und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen. Was mag der, der das sagt, damit meinen? Ich sage nur: Wie gut, dass es noch mehr gibt, als das, was ich für richtig halte! Wie gut, dass es etwas gibt, was über das hinausgeht, was ich mit meinen begrenzten Fähigkeiten erfassen kann!

In diesem Sinne grüße ich Sie alle und wünsche Ihnen gesegnete Monate Februar und März!

herzlichst Ihre
Pfarrerin Margret Noltensmeier

 

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (12/17+01/18)

Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten
(Jesaja 52, Vers 7)

Liebe Leserinnen und Leser,

die Sprache der Füße, so sagte es jemand, sei ehrlicher als die Sprache der Lippen: Stimmen können lügen. Aber wie einer auftritt, zeigt meist sehr deutlich, was er will. Wie jemand hineinkommt in einen Raum, das spricht meistens eine ganz eindeutige Sprache. Oder wie jemand ankommt: auf dem Bahnhof oder zu Hause nach der Schule. Und Sie kennen sicherlich auch die Schritte Ihrer Lieben.

Grundsätzlich ist es schön, die Schritte zu hören, wenn er oder sie überhaupt nach längerem Warten nach Hause kommt. Je nachdem, welcher Art seine oder ihre Schritte gerade sind, wissen Sie vielleicht auch sofort, wie die Person gestimmt ist. Kommt sie aufgeregt nach Hause oder eher zögerlich? Im Beruf empfiehlt es sich wahrscheinlich manchmal auch, auf die Schritte der Chefin oder des Chefs zu achten. Wie hören sich die Schritte an, gut gelaunt oder ärgerlich?

Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten: lieblich. Das verspricht Gutes, Neues, etwas, auf das man sich freuen kann. Das sind keine bedrohlichen Schritte in Stiefeln, wie wir sie vom Militär aus den verschiedenen Diktaturen der Welt kennen. Es sind Füße, die nichts und niemanden zu Boden treten.

Später in diesem Abschnitt bei Jesaja wird das Wort „lieblich“ noch genauer erklärt. Lieblich sind die Füße, weil sie die gute Botschaft bringen, dass Gott zurückkommt.
„Gott kommt zurück!“ sagen die Füße.
Diese Vorstellung setzt voraus, dass Gott gegangen ist. Dass er jederzeit gehen kann. Von einem Tag auf den anderen.

Wahrscheinlich gibt es gerade zur Weihnachtszeit, die so stark vom Kommen Gottes in diese Welt redet, viele Menschen unter uns, die sich im Gegenteil von Gott verlassen fühlen. Die den Eindruck haben, von Gott verlassen worden zu sein. Vielleicht ist irgendetwas passiert, was sie nicht mehr richtig froh werden lässt oder was sie daran zweifeln lässt, dass Gott jemals zu ihnen zurückkommt.
Gott kommt zurück, sagt der Prophet. Also ist er gegangen.

Manchmal frage ich mich, wie es bei uns in der Kirche ist. Sind wir hier in Deutschland, egal ob evangelisch oder katholisch, wirklich eine Kirche, in der Gott sich zu Hause fühlt, in die hinein er geboren werden will?

Ja, ist er überhaupt noch hier oder ist er vielleicht auch schon längst gegangen? Ist er nicht gerade zu den Randständigen und Ausgestoßenen- wie den Hirten- gekommen? Wo sind diese Menschen in unseren Gemeinden?

Für wen und wie treffen wir unsere Entscheidungen? Welche Maßstäbe wenden wir an? Entscheiden wir im Geist Jesu, oder lassen wir uns von dem treiben, wie es üblich ist, vom Mainstream, so, wie man es halt macht?

Wohin würde Gott mit Freude zurückkommen, vorausgesetzt, er ist gegangen?
Gott kommt zurück, sagt der Prophet. Darum – so sagt er weiter: Freut euch, ihr Trümmer Jerusalems.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Trümmer sich freuen können. Trümmer sind für mich der Inbegriff zerstörten Lebens. Wie erschütternd ist es, wenn jemand sagt: „Mein ganzes Leben liegt in Trümmern.“ Wie oft haben wir im vergangenen Herbst wieder die Trümmer gesehen, die von den Hurrikans Irma, Harvey, Maria und wie sie noch alle heißen hinterlassen wurden. Alles in Trümmern.
Trümmer sollen sich freuen, jubeln können?

Manchmal geht im eigenen Leben alles in die Brüche: Nichts scheint sich reparieren zu lassen, weder die Beziehung zu den Kindern, den Eltern, den Arbeitskollegen…
Solche Trümmer sollen jubeln? Es ist schwer vorstellbar. Aber: Es ist bald Weihnachten. Warum eigentlich feiere ich, feiern viele Menschen eigentlich immer noch dieses Fest? Mir selbst wird zu keiner anderen Zeit des Jahres als zu Weihnachten so deutlich, wie stark mein Leben von einer Vision, von Hoffnung getragen wird: von der Vision, dass Gott heil machen kann, was kaputt ist. Gut, niemand von uns wird gleich dieses Jahr zu Weihnachten erleben, dass sofort alles heil wird, was zerbrochen ist oder sogar in Trümmern liegt. Aber kleine Dinge ändern sich vielleicht schon jetzt zum Guten. Und für alles Andere, was noch kaputt ist, gibt es noch viele Weihnachtsfeste, alle Jahre wieder.

In diesem Sinne grüße ich Sie mit den besten Wünschen für die Advents- und Weihnachtszeit und für ein gesegnetes Neues Jahr 2018.

Herzlich,
Ihre Pfarrerin Margret Noltensmeier