Andachten

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (8+9/17)

Lebt als Kinder des Lichts! (Epheser 5, Vers 8b)

Liebe Leser, liebe Leserinnen,

der Sommer ist die Zeit des Lichts. Selbst wenn Sie diesen Gemeindebrief in den Händen halten, wird es zumindest abends noch recht lange hell sein. Vielleicht geht es Ihnen auch so, dass das Licht des Sommers Sie in einen anderen Menschen verwandelt.

„Summertime and the livin’s easy“, singen Ella Fitzgerald und Louis Armstrong. Sommer: das Leben ist so leicht. Ja, das Leben ist leichter im Sommer, das werden viele Menschen bestätigen: Ich kann - ohne mich warm einzupacken - einfach rausgehen, kann auch am Abend noch draußen aktiv sein und überhaupt: Sonne und Licht stimmen mich optimistisch und hoffnungsvoll.

Im Epheserbrief fordert Paulus die Menschen auf, zu jeder Zeit – egal ob im Sommer oder im Winter – als Menschen des Lichts zu leben. Weil Gott sogar in dunklen Zeiten sein Licht in die Welt schickt, sind wir Kinder des Lichts.

Rose Ausländer spricht davon, dass wir auf diese Weise in unserem Leben „Lichtstrategien“ entwickeln können. Dieser Begriff der Lichtstrategien gefällt mir sehr. Was könnten Lichtstrategien in meinem Leben sein? „Hoffnung und Mut gegen die Angst“ würden die einen sagen. „Vertrauen und Loslassen gegen die Sorge“ sagen die anderen. Oder Offenheit und die Bereitschaft, mich auf Dinge einzulassen und Neues zu erfahren anstatt zu sagen: So ist es, ich weiß und kenne das. Die Offenheit, auch im Vertrauten immer wieder Neues zu entdecken und mich überraschen zu lassen, könnte eine Lichtstrategie sein.

Paulus zählt auch „Lichtstrategien“ auf. „Lebt als Kinder des Lichts“ sagt er. „Die Frucht des Lichts ist lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Sommer.

Herzlichst Ihre
Pfarrerin Margret Noltensmeier

Goldene Konfirmanden. Foto: Foto Beckmann aus Schieder

 

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (6+7/17)

Liebe Leser, liebe Leserinnen,

Was begeistert Sie? Und wann waren Sie das letzte Mal begeistert? Wenn wir unsere Konfis und ihre Familien fragen würden, dann würden manche von ihnen vielleicht antworten: Bei der Konfirmation...denn es war so ein schöner Tag, die festliche Stimmung, die ganze Familie zusammen, ach und vieles mehr... Begeisterung ist meines Erachtens aber nicht nur mit den ganz „großen“ Dingen im Leben verbunden. Sicherlich kennen Sie alle die Momente, in denen ein Mensch Sie begeistert: Er erzählt von seinen Plänen oder Vorhaben oder sie schildert, wie sie mit bestimmten Dingen in ihrem Alltag umgegangen ist. Und Sie merken: Oh, diese Person sieht und macht das alles ganz anders als ich, so könnte ich selbst es doch auch einmal probieren...Ein Funke springt über, ich werde „in Brand gesetzt“. Ja, Begeisterung ist nämlich genau das: Feuer und Flamme sein. Das erzählt uns die biblische Pfingstgeschichte: Auf die Menschen setzen sich kleine Feuerflammen, sie sind begeistert, das heißt berührt vom Geist Gottes.

Wenn der Geist Gottes uns in Brand setzt, dann geschieht laut Bibel etwas, was wir uns oft in unserem Alltag wünschen: es geschieht gelingende Kommunikation. Denn das erleben viele von uns: ob ein Gespräch glückt, das habe ich oft nicht in der Hand. Manchmal bleibe ich verärgert, gekränkt oder auch voller Fragen zurück. Ich kann mich bemühen, mich einfühlen und dem Anderen mit der mir möglichen Wertschätzung begegnen ... und doch klappt es nicht. Wir sagen in solchen Fällen, dass die Chemie nicht stimmt oder nicht mehr stimmt (was es auch gibt).

Dass die Chemie nicht stimmt, das ist eine weltliche Betrachtungsweise. Von der Pfingstgeschichte aus gesehen würde ich sagen: der Geist fehlt (noch) in solchen Gesprächen. Immer wenn die Kommunikation in einer Sackgasse ist, wenn Missverständnisse nicht ausgeräumt werden können, das Vergangene immer wieder aufgewärmt werden muss und niemand bereit ist zu verzeihen, dann ist der Geist noch nicht da. Ich kann Gott dann darum bitten, mit seinem Geist zu kommen. Und manchmal geschieht das dann: Auf einmal ist wieder ein Gespräch möglich, auf einmal gehen Menschen wieder aufeinander zu. Und der neue Anfang ist zuweilen von größerer Sensibilität und Achtung voreinander als zuvor.

Ich grüße Sie herzlich und wünsche Ihnen allen, und diesmal insbesondere unseren „frisch“ Konfirmierten - da wir uns nun nicht mehr regelmäßig sehen - schöne Sommermonate Juni und Juli.
Ihre Pfarrerin Margret Noltensmeier

 

(Foto: Rostfreies Herz)

 

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (4+5/17) 

Liebe Leser, liebe Leserinnen,

wenn unser Gemeindebrief in seinem neuen „Gewand“ bei Ihnen zu Hause ist, feiern wir bald das Osterfest.

Ich freue mich schon auf Ostern, sowohl als Familienfest als auch auf den Gottesdienst mit dem anschließenden gemeinsamen Frühstück hier bei uns im Gemeindehaus.
Ich gestehe, dass ich mich in diesem Jahr sogar ein bisschen danach sehne, dass es endlich Ostern wird. Denn es gibt manche Zeiten im Jahr, die in besonderer Weise von schweren Erlebnissen und Schicksalsschlägen überschattet werden. So habe ich auch die letzten Wochen wahrgenommen und viele von uns sind immer noch davon erschüttert, wie schnell und unvorbereitet der Tod manchmal in unser Leben bricht.
So bestimmen oftmals Trauer und Abschiedsschmerz gerade die Tage. Dass wir in einigen Wochen Ostern feiern, beendet nicht, was manche von uns gerade erleben.

Aber trotzdem kann Ostern die Perspektive verändern:
Es ist schwer, an einem Grab zu stehen und ein offenes Grab, in das der Sarg oder die Urne versenkt werden, markiert das Ende so deutlich. Wenn ich da stehe, nehme ich immer besonders wahr, wie still es ist: Totenstille, Grabesstille. Zunächst scheint alles abgerissen: jeder Gesprächsfaden, jede Kommunikation, alles vorbei, aus. Diese Stille da am Grab, ja, das Schweigen der Gräber kann hoffnungslos machen. Diese Hoffnungslosigkeit würde mich tatsächlich wohl auch überrollen, wenn...: wenn es Ostern nicht gäbe.

In der Ostergeschichte des Johannes steht Maria, ebenso wie wir es oft tun, an einem offenen Grab. Doch im Gegensatz zu wohl den meisten von uns sieht sie nicht nur die frische, ausgehobene Erde, die bereit ist, den Sarg oder die Urne in sich aufzunehmen. Sondern sie sieht mehr. Johannes schreibt: Maria schaute in das Grab und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den anderen zu Füßen, wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten (Johannes 20, Verse 11 und 12).
Es sind Engel im Grab!

Von diesem Gedanken komme ich nicht mehr los und er geht mir immer noch unter die Haut. Vielleicht ist es mein persönliches Problem, dass ich die Verstorbenen großenteils nicht im Grab finde. Sicher, ich kann Blumen bringen, den Grabstein anschauen, die Inschriften meditieren und oft auch die Ruhe und Stille des Friedhofs oder die Geräusche des Lebens um ihn herum in mich aufnehmen. Aber die Verstorbenen sind eher im Herzen, gehen mit mir mit und können mir nahe sein, egal wo ich bin. Für viele Menschen jedoch ist das Grab der Ort, an dem die Nähe intensivst gespürt wird, ohne den bestimmte Gedenktage, der Geburtstag, der Sterbetag nicht möglich wären.

Aber wenn ich lese, dass Engel im Grab sind, dann lässt mich das erschaudern: Engel sind die Verbindung unserer vorfindlichen sichtbaren Welt zur Welt Gottes. Engel im Grab... Leben im Grab! Licht, Gott selbst im Grab! Unsere Verstorbenen sind nicht weg, nicht tot, Gott selbst hält die Verbindung aufrecht, wir können sie erreichen, in dieser anderen Welt, über seine Botschafter gewissermaßen. Welch eine Hoffnung gibt uns Ostern gerade in unseren dunklen Zeiten!

Ich wünsche Ihnen allen, dass auch Sie sich über diese Hoffnung freuen können und wünsche Ihnen in diesem Sinne frohe Ostern!
Herzlichst Ihre Pfarrerin Margret Noltensmeier

 

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier

„Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut“ (Matthäus 2,10)

Liebe Leser und Leserinnen,

in diesen eiskalten Winternächten ist der Himmel ja oft sternenklar.
Auch wenn ich nicht - wie die drei Weisen auf dem Weg zum Stall von Bethlehem - einen bestimmten Stern suche, so kann ich ihre Freude doch nachvollziehen.
Vielleicht kennen Sie das auch: Sie gehen noch mal raus etwas später am Abend, zum Briefkasten oder mit dem Hund, und finden sich dann unter dem sternübersäten Himmel wieder.
Es ist ein Erstaunen, es ist Ehrfurcht vor der Größe der Schöpfung und natürlich auch Freude über ihre Schönheit.
Die drei Weisen sind hocherfreut, als sie den Stern sehen, weil sie nun die Richtung wissen, in die sie gehen müssen, um das Kind zu finden.
In meiner Freude beim Anblick des Sternenhimmels fühle ich mich den Weisen nahe. Wie sie weiß ich mich in einen größeren Zusammenhang gestellt, wie sie erahne ich beim Betrachten der Sterne die Größe Gottes und seine Bedeutung für mein Leben. In den „Sternstunden“, von denen ich uns allen im Neuen Jahr die eine oder andere wünsche, wird es wohl am stärksten deutlich. Sternstunden sind Momente, Augenblicke, oft gar nicht mal ganze Stunden, die meiner eigenen Gestaltung völlig entzogen sind: Ich hatte vielleicht etwas geplant, ganz normal, und dann kommt plötzlich etwas Anderes, mehr, etwas Besseres, Schöneres, mit dem ich nicht gerechnet habe! Vollkommen geschenkt.

Die Weisen sind hocherfreut, als sie den Stern sehen.
Sie erleben eine Sternstunde.
Was geschieht in dieser Sternstunde mit ihnen? Sie finden den Ort, an dem Jesus geboren wird. Sie finden den Weg zu anderen Menschen, zu Maria, Josef und dem Kind. Der Stern ermöglicht ihnen eine Begegnung, die sie prägen wird.
Ja, es sind doch zumeist Begegnungen, die uns eine Sternstunde verschaffen, oder? Und die Art der Begegnung vielleicht auch: Vielleicht hatte ich Ärger oder habe mir Sorgen gemacht, und dann schafft es eins der Kinder oder die Frau oder der Mann, eine ganz andere Stimmung in meinen Tag zu bringen. Oder ich rede mit jemandem und weiß: „Das vergess ich jetzt erst mal nicht. Denn das hat gut getan.“
Begegnungen werden in unserer Gesellschaft und unserer Welt von Tag zu Tag wichtiger. Denn die Begegnungen sind es, die dazu helfen, Ängste und Vorurteile abzubauen und die dazu beitragen, dass wir bei aller Unterschiedlichkeit friedlich miteinander leben können.
Die Weisen lassen sich auf die Begegnung ein und gehen „auf einem anderen Weg“ in ihr Land zurück.
Begegnungen (und Sternstunden!) verändern und lassen uns andere Wege gehen, als wir zuvor geplant haben.
Die Weisen sind mir liebe Weggefährten, denn ich erkenne, dass ihre Wege ganz schön verschlungen sind: Erst gehen sie nach Jerusalem, ins Zentrum der Macht, dann ganz an den Rand nach Bethlehem. Und dann entscheiden sie sich, auf einem ganz anderen Weg als zuvor nach Hause zurückzukehren. Verschlungene Wege: weiß ich, wissen wir, wie meine, unsere Wege in 2017 verlaufen?
Tröstlich ist, dass die Weisen trotzdem zum Ziel kommen, auch auf einem anderen Weg! Sie gelangen wieder in ihr Land zurück. Ist das nicht ungeheuer beruhigend: Auch zu den verschlungensten Wegen gehört ein Ziel, und ich, wir kommen dahin!

In diesem Sinne grüße ich Sie und wünsche Ihnen für alle Wege in 2017 die Gewissheit, dass ein Stern Sie leitet.
Herzlichst Ihre Pfarrerin Margret Noltensmeier

 

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (12/16)

Vergisst etwa eine Mutter ihren Säugling? Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet (Jesaja 49,16.17)

Liebe Leserinnen und Leser,

schon bald nach Erscheinen dieses Gemeindebriefes feiern wir Weihnachten.
Das ist nicht zu fassen: Schon wieder ein Jahr!
Im Moment in dieser - zwar vom Wetter her noch hellen- aber doch eher besinnlichen Zeit des November denke ich besonders an alle, bei denen im vergangenen Jahr etwas Schweres passiert ist: vielleicht kam die Diagnose einer schweren Krankheit, vielleicht ist eine Beziehung zerbrochen oder ein lieber Mensch gestorben. Oder vielleicht wollen die Sorgen um einen lieben Menschen nur einfach nicht weichen.

In all diesen Fällen ist Weihnachten dann anders.
Gott kommt auf die Welt. Doch liegt nicht die Frage nahe: Kommt er wirklich auch zu mir? Menschen, denen es schlecht geht, fragen sich oft, ob Gott sie vergessen hat. Was soll er denn auch noch mit meinem Leben zu tun haben, in dem ich es so schwer habe?

„Gott, du hast uns vergessen“ beklagen sich auch die Israeliten in einer ausweglosen Situation.
Aber als diese Klage ertönt, da mischt Gott sich ein. Da muss er sich zu Wort melden. Diese Beschwerde kann er nicht auf sich sitzen lassen Und er fährt ganz schön was auf. Er bringt den Gedanken, gegen den am schwersten etwas einzuwenden ist: Den Gedanken an die Mutter, die ihr Kind niemals vergisst.

„Vergisst denn etwa eine Mutter ihren Säugling?“

Doch, doch, ab und an kommt auch das vor, wende ich ein, aber normalerweise sollte und will sie es ja nicht: Es muss ihr selbst schon sehr schlecht gehen, wenn sie das tut...

„Aber selbst dann, selbst dann wenn das geschehen sollte“, sagt Gott: „Ich aber, ich vergesse dich nicht!“

Und um es zu unterstreichen und um ja keinen Zweifel aufkommen zu lassen, benutzt er nun eines der schönsten Bilder, die es in der Bibel gibt: Das Bild von der Hand.

„Siehe in die Hände habe ich dich gezeichnet“.

Siehe, in die Hände...

Die Hände eines Menschen ...mit den Händen mache ich so viele Dinge und sie erzählen von mir, von meinem Leben. Die Hände des Vaters, der Mutter, der Großmutter oder des Großvaters werde ich immer in Erinnerung behalten, selbst nach deren Tod. Ich weiß, wie sich anfühlen und ich weiß, in welchen entscheidenden Momenten sie mich berührt haben oder umgekehrt. An ihren Händen wurde ich selbst gehalten und an ihren Händen wurde ich ins Leben geführt.

„Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet.“

Mit einem der stärksten Bilder für Nähe überhaupt, mit dem Bild der Hände greift Gott hier ein, um sich gegen den Vorwurf der Ferne und der Abwesenheit zu wehren. Denn auch am Ende des Lebens sind es die Hände. Dem Sterbenden die Hand zu halten, sie zu streicheln, das ist die Nähe bis zum Ende. Wenn alles andere weggebrochen ist, die Sprache und große Teile der Gefühlswelt, dann können die Hände immer noch sprechen.
Die Hände: wie gut, wie wohltuend auch, dass Gott hier so deutlich von seiner Körperlichkeit redet .Das kommt mir nahe. Dass Gott ein Mensch wird, dass er in einem Körper ist, der genauso lebendig, aber auch genauso verletzlich ist wie mein eigener, das ist das Geheimnis von Weihnachten.

Ich grüße Sie alle in dieser Advents-und Weihnachtszeit,
herzlichst Pfarrerin Margret Noltensmeier