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Andacht 2019 02 - 1 Korinther 13 Vers 10

Andacht von Pfarrerin Margret Noltensmeier (Februar 2019 – März 2019)
Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. (1. Korinther 13, Vers 10)

Liebe Leserinnen und Leser,  

das Jahr ist noch jung, während ich diesen Gemeindebrief schreibe und doch ist bei vielen von uns schon wieder eine Menge passiert.
Und mehr noch: die ruhigen Tage über Weihnachten und den Jahreswechsel scheinen schon wieder seit einer Ewigkeit hinter uns zu liegen (jedenfalls ist das mein Eindruck im Moment).  

Strahlt noch etwas hinein in meinen / unseren Alltag von dem weihnachtlichen Glanz? 
Und was ist mit dem Zauber des Anfangs eines neuen Jahres, der oftmals dazu anleitet, ganz neue Schritte zu gehen oder Dinge zu verändern? 

Neujahrsvorsätze… halten sie bei denjenigen noch, die sie gefasst haben?  
Bei eigenen Vorsätzen merke ich auch häufig, dass sie schwer sind, sie durchzuhalten, weil der Alltag so schnell so vieles überrollt.  
Manchmal ist das frustrierend: ich wollte doch etwas verändern, und heute hat es gleich schon nicht geklappt… Ich probiere es am nächsten Tag und ich bin zufrieden, doch schon am übernächsten kommt alles wieder ganz anders.
Und überhaupt: ein ganzes neues Jahr liegt da vor mir, so viel Zeit… und was schaffe ich?
Viel zu wenig nach eigenem Ermessen.

Regelmäßig ist das auch am Ende eines jeden Tages zu entdecken: Wieder nicht das geschafft, was ich mir vorgenommen habe.
Alles noch nicht zu Ende, noch nicht fertig.  

Alles noch nicht zu Ende, noch nicht fertig. Das ist die Beschreibung für unser Leben.
Es gibt keine Vollkommenheit hier.
Selbst wenn ich nach Perfektionismus strebe, bleibt alles, was ich schaffe, doch hinter der Vollkommenheit zurück.  

Unser Leben ist Stückwerk, sagt Paulus.
Das Vollkommene gibt es erst woanders, da, wo wir noch nicht angekommen sind.  

Nichts kann vollkommen sein.
Ist das nicht sehr tröstlich?
Wenn unser Leben bruchstückhaft und fragmentarisch ist, wenn das sowieso die Idee, meines, unseres Lebens ist, sollte ich dann nicht sagen: Seid willkommen alle meine Bruchstücke.
Ich akzeptiere euch und versuche, euch zu lieben.
Denn ihr seid mein Leben.  
Seid willkommen alle meine Bruchstücke!

Neujahrsvorsätze sind leichter zu verwirklichen, wenn sie niederschwellig sind und keines großen Aufwandes bedürfen.
Wäre das nicht ein Vorsatz?  
Zu versuchen, das womit ich eigentlich unzufrieden wäre, willkommen zu heißen und als Teil meines Lebens an- und aufzunehmen? 

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Neues Jahr 2019.
Herzlichst, Ihre Pfarrerin Margret Noltensmeier