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Andacht 2020 10 - Psalm 103 Vers 2

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht,  was er Dir Gutes getan hat (Psalm 103, Vers 2)

Liebe Leser*innen,  

neulich bekamen wir eine Einladung zu einer Hochzeit.  
Auf der Einladung war auch ein Foto des Paares: zwei junge Menschen am Strand, im  Hintergrund eine Düne mit Strandhafer.  
Die beiden lächeln die Eingeladenen glücklich an.
Immer wenn ich mir das Foto anschaue, ist es aber noch mehr: es ist auch der Blick in die Zukunft.
Diese beiden beginnen ihren gemeinsamen Weg.
Was wird ihnen alles auf diesem Weg begegnen?  

Ich schau mir das Foto gerne an und überlege dabei, wie es wäre, den gesamten Weg noch einmal vor sich zu haben.
Welche Chancen liegen in solch einem Anfang, welche Aufregung, welche freudige Erwartung!

Für viele unter uns liegt der Punkt, an dem sich das junge Paar befindet, schon mehrere Jahre oder sogar Jahrzehnte zurück.  
Wenn ich auf meinen Lebensweg oder auf meine Paar- oder Familiengeschichte zurückblicke, was fällt mir dann als Erstes ein?
Welche Gefühle nehme ich wahr? 
Steht mir als Erstes das vor Augen, womit ich unzufrieden bin und was ich gern anders gemacht hätte?
Beneide ich die beiden jungen Menschen um ihre Chance, die Fehler, die ich gemacht habe, vermeiden zu können? 
Wie steht es mit dem Guten?  
Wann fällt es mir ein? 
Wie lange muss ich darüber nachdenken, bis es mir vor Augen steht? 

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er Dir Gutes getan hat, sagt der 103. Psalm in seinem 2. Vers.
Manchmal fällt es mir wie Schuppen von den Augen, wie wichtig diese Aufforderung ist.
Das Gute nicht vergessen.
Es gibt soviel Gutes im Blick auf die eigene Vergangenheit und vieles davon hat bis zum heutigen Tag Bestand und wirkt in meine Gegenwart hinein.
Nicht vergessen: ich will mich nicht herunterziehen lassen von dem, was ich eventuell falsch gemacht habe, bereue und was ich nicht mehr rückgängig machen kann.
Auf das Gute will ich schauen, es pflegen, achten und wertschätzen.
Ich will nicht zulassen, dass es überdeckt wird von den Dingen, die mich unzufrieden machen.

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht , was er dir Gutes getan hat:
wenn ich mir die Bilder des Guten, das mir in der Vergangenheit schon begegnet ist, vor Augen stelle, wirken sie in die Zukunft hinein: sie bilden und stärken ein Vertrauen in mir, dass Gott, der mir schon viele Gutes getan hat, es auch in Zukunft tun wird.

In diesem Sinne grüße ich Sie alle, herzlichst Ihre  
Pfarrerin Margret Noltensmeier