Drucken

Andacht 2021 04 - Lukas 24 Vers 31

Da wurden ihre Augen geöffnet und sie erkannten ihn. (Lukas 24, Vers 31)

Liebe Leserinnen und Leser,

diese Andacht schreibe ich unmittelbar nach dem Bund-Länder-Gipfel, als dessen Ergebnis ein harter Osterlockdown stand.
In diesem Zusammenhang gab es auf dem Gipfel den Beschluss, an die religiösen Gemeinschaften heranzutreten mit der Bitte, über Ostern nur Videogottesdienste abzuhalten.
Noch ist nicht klar, wie sich die Kirchenleitung und unser Kirchenvorstand zu dieser Frage verhalten wird.
Es ist eine Gratwanderung, diese Entscheidung, zwischen der Solidarität, die wir als Kirche mit allen von Schließungen Betroffenen zeigen wollen, und dem Bedürfnis, den Menschen die Osterbotschaft zu sagen.
Solidarität zu zeigen mit all jenen, die existenziell, physisch und psychisch unter dieser Pandemie leiden, halte ich für geboten.
Aber das Andere gilt auch: Ich finde es sehr deprimierend und entmutigend, wenn wir jetzt schon das zweite Jahr in Folge keine Karfreitags- und Ostergottesdienste haben.
Gerade die Osterbotschaft ist doch das, was wir Menschen jetzt brauchen, in einer Welt, die mir sowohl im Großen wie auch im Kleinen an vielen Stellen so dunkel erscheint.
Ostern kann doch Hoffnung und Licht in unsere Herzen senden, die oft so gebeutelt sind, weil wir so viel Trauriges und Unbegreifliches erleben.
Und es ist die Hoffnung, die hineinbrechen kann in die Welt, über die sich die Pandemie nun schon so lange wie eine Glocke gelegt hat.

Während ich dies schreibe, spüre ich, wie sich mir die Fragen aufdrängen:
Was für eine Hoffnung ist es eigentlich genau, die ich uns zum Osterfest zusprechen kann?
Was können wir hören, was prallt nicht an uns ab als leere Worthülsen, was kann mich tief in meinem Innern erreichen?
Verzweiflung und Zweifel, Wut und Traurigkeit schwingen noch in mir nach, wenn ich an das Schicksal mancher Menschen denke:
Wo ist der Gott des Lebens, der nicht verhindern konnte, dass Menschen in ihrer Blüte oder viel zu lange vor der Zeit so unheilbar krank werden und sterben müssen?
Wo ist der Auferstandene, der nicht eingreifen kann, dass Menschen sich in so vielen Regionen auf der Welt gegenseitig bekriegen und junge Menschen, die sich für Recht und Gerechtigkeit einsetzen – wie in Myanmar – nicht beschützt, sondern einfach der Willkür und der Gewalt ausliefert?

Fragen, die zermürben und uns auf Gott wütend werden lassen.
Denn an diesen Stellen, an denen er doch präsent sein sollte, ist er nicht.
Er ist oft anders, als ich ihn mir wünsche.
Das Leid im Großen wie im Kleinen ist Kennzeichen unserer Welt und es wird es geben, solange die Erde steht.
Das heißt aber nicht, dass Gott nicht da wäre.
Nur: Er ist anders da, als wir ihn uns vorstellen, und oftmals erkennen wir ihn nicht.

Unsere Kirche in Schwalenberg spricht auf dem schönen Bild im Chorraum davon, dem Bild von den Emmausjüngern.
Da gehen zwei Freunde Jesu nach seiner Kreuzigung und Grablegung spazieren, noch voller Traurigkeit, dass sie ihren Freund verloren haben.
Auf ihrem Weg gesellt sich jemand zu ihnen, den sie nicht kennen.
Als sie ihn mit zu sich zum Abendessen nehmen, erkennen sie auf einmal an der Art, wie er das Brot bricht, dass es Jesus ist!
Er lebt!
Da wurden ihre Augen geöffnet und sie erkannten ihn, sagt die Bibel.
Ich glaube, das ist Ostern.
Mitten am Tag, oder auch in einer schlaflosen Nacht kann es passieren, dass meine Augen geöffnet werden und ich erkenne:
Gott, du bist bei mir! Es gibt dich wirklich! Du bist da! Du hast mir geholfen heute.
Oder: ich vertraue darauf, dass ich diesen oder den nächsten Schritt mit deiner Hilfe schaffe.
Und manchmal erkenne ich auch noch was Anderes: Gott, du lebst und auch ich selbst werde leben, auch wenn ich sterben muss.

Gesegnete Ostern wünsche ich Ihnen allen.
Herzlichst, Ihre Pfarrerin Margret Noltensmeier