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Andacht 2021 12 - Matthäus 21, 9b

Hosianna, gelobt sei der da kommt im Namen des Herrn! (Matthäus 21, 9b)

Liebe Leserinnen und Leser,

im Advent erwarten wir die Ankunft Jesu in unserer Welt. Wir erwarten, dass er Einzug hält in unsere Welt, so wie er damals zum Passafest nach Jerusalem eingezogen ist.
Daher ist die Geschichte von Jesu Einzug auch eine Adventsgeschichte.
Was passiert da?

Jesus bleibt auf dem Berg vor der Stadt stehen und bittet die Jünger, ihm zwei Esel zu bringen, damit er einreiten kann.
Merkwürdig… Warum braucht Jesus eigentlich zwei Tiere. Er kann doch nur auf einem reiten?
Nun, ich stelle mir vor, wie er einzieht: Er sitzt auf dem Esel und daneben läuft ein zweites Tier, ohne Reiter, ohne Reiterin.
Der Platz neben Jesus ist frei. Er lässt Platz neben sich, man darf ihm nahekommen, mit ihm unterwegs sein.
Aber wie ist das?
Wenn man in Jesu Nähe ist, bietet er sich als role model an, als Modell, als Vorbild.

Lernen am Modell: Ich kann mich an ihm orientieren, ich kann lernen, es genauso zu machen wie er.
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir gefällt diese Lernweise am Modell immer wieder.
Wenn mich jemand wirklich überzeugt, wenn ich jemanden als Vorbild entdecke, dann übernehme ich gern und oft sogar nicht so bewusst, das was er oder sie tut.

Die ersten Rollenmodelle in unserem Leben sind ja unsere Eltern.
Dass ich, dass wir vieles ganz genauso machen wie unsere Mutter oder unser Vater gemacht hat, kann jeder und jede bis ins hohe Alter verfolgen.
Wie ich mit den kleinsten Dingen des Alltags umgehe, das mache ich so, weil ich es so gelernt habe, weil ich nichts anderes gelernt habe in meiner Kindheit.
Wie wurde zu Hause miteinander gesprochen?
Welche Gefühle hatten einen Platz?
Haben die Eltern Wut oder Traurigkeit gezeigt?
Haben sie sich gegenseitig oder auch die Kinder ermuntert oder bestärkt?
Gab es Lob, gab es Dank?
Wie gingen sie mit bevorstehenden Ereignissen um, wie mit Planungen oder Aufgaben?

All das schaut ein Kind sich ja erst einmal ab, es kennt keinen anderen Weg und wenn ich, wenn wir uns heute manchmal fragen: Wieso mach ich das eigentlich so, wieso mache ich das nicht so, wie andere es machen würden oder von mir erwarten?
Warum gerate ich in Konflikt mit anderen mit meinen Strategien, warum regen sie sich darüber auf?
Dann finde ich die Antwort erst einmal in meinen Rollenmodellen: Ich habe es so gelernt, es sitzt tief in mir drin.
Aber wenn ich mir das dann bewusst gemacht habe, dann kann ich damit umgehen, kann es ändern, wenn ich will. Oder auch nicht.

Jesus ist ein role model, ein Rollenmodell, ein Vorbild.

Welche Eigenschaften hat er?
Er ist sanftmütig und reitet auf einem Esel.
Dieses „sanftmütig“ hat im Griechischen verschiedene Facetten … friedlich, freundlich, gewaltlos, mild … das alles beinhaltet das Wort.
Oder so wie es das bekannte Adventslied beschreibt: Er ist gerecht, ein Helfer wert, Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Königskron ist Heiligkeit, sein Zepter ist Barmherzigkeit, all unsere Not zum End er bringt.

Jesus als Rollenmodell: friedlich, sanftmütig, barmherzig, gerecht … dies und alles Andere fasziniert mich an ihm und hat es schon mein Leben lang getan.
Vor allem auch seine Haltung, dass bei ihm wirklich alle willkommen sind, und keiner hinausgestoßen wird.

Wie sehr widerspricht diese Haltung Jesu oft den Regeln dieser Welt!
Es ist gut, dass es jedes Jahr Advent wird und Jesus mir, uns jedes Jahr den Platz auf dem Esel neben sich anbietet, um von ihm zu lernen und mir ihn immer mehr als Vorbild zu nehmen.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents und Weihnachtszeit und und einen friedvollen Übergang ins Jahr 2022,

herzlichst, Ihre Pfarrerin Margret Noltensmeier