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Andacht 2022 02 - Psalm 31 Vers 16a

Meine Zeit steht in deinen Händen (Psalm 31, 16a)

Liebe Leserinnen und Leser,

wieder ein Jahr.
Schon wieder liegt ein Jahr hinter uns und ein Neues beginnt schon wieder, ein Gesicht zu bekommen.
Ich schreibe diese Andacht in der dritten Kalenderwoche, und wenn Sie sie lesen, liegt der Januar sicherlich hinter uns.
Die Zeit rast.
Auch ich gehöre schon seit Längerem zu denen, für die gefühlt jedes Jahr schneller vergeht.
Der Kalender ist auch schon wieder gefüllt, und wenn Corona es zulässt, dann wird es viele Veranstaltungen und Termine geben, die sich aneinanderreihen und für die im Nachhinein oft zu wenig Zeit bleibt, um sie Revue passieren zu lassen und noch einmal zu betrachten.
Die Zeit rast, auch in diesem Jahr wird vieles passieren, wird sich vieles ereignen und oft habe ich, haben wir den Eindruck, nicht hinterherzukommen.
Es geht zu schnell.
Aber neben dem Gefühl der vorbeirasenden Zeit bewegt mich und vielleicht auch manche unter Ihnen noch etwas Anderes mit dem Blick auf die Zeit:
Wie wird das Jahr werden?
Wird das, was ich da erlebe schön?
Oder wird es schwer?
Ich mache mir Sorgen, weil ich unsicher bin, weil ich nicht weiß, ob alles gut geht.

Vor Kurzem habe ich einen Gedanken von Friedrich Schleiermacher gefunden, der beides im Blick hat: den Flug der Zeit und meine Sorgen hinsichtlich der Zukunft.
Schleiermacher sagt:
Sorge nicht um das, was kommen wird, weine nicht um das, was vergeht.
Aber sorge, dich selbst nicht zu verlieren und weine, wenn du dahintreibst im Strome der Zeit, ohne den Himmel in dir zu tragen.
Diesen Gedanken Schleiermachers finde ich wunderbar und er regt dazu an, mich selbst, mein Leben neu zu betrachten.
Was erwarte ich von meiner Lebenszeit, was will ich von meiner Vergangenheit oder meiner Zukunft.
Will ich die Zeit festhalten (Vergangenheit) oder will ich sie im Griff haben (Zukunft)?
Weder das eine noch das andere ist möglich, weil meine Zeit die Gegenwart ist.
Die Gegenwart ist meine Zeit und in ihr gilt es, zu leben, ganz und gar da zu sein, mich nicht zu verlieren.
Wenn ich mich da verliere, in ihr nicht feststehe, sondern in den Strudel der Zeit, der Gestaltung der Zukunft oder dem Klammern an alte Zeiten gerate, dann ist das ein Grund zu weinen.
Die Gegenwart ist meine Zeit.
Sie gilt es zu leben und zu gestalten.
Der Himmel ist dabei nicht nur über mir, sondern er kann auch in mir sein.
Wir kommen von Weihnachten, dem Fest, an dem das göttliche Licht unser Herz erreichen kann, an dem der Himmel zu uns kommt.
Wie wird das Jahr werden, wenn ich den Himmel in mir trage?
Wie kann ich meine Gegenwart mit dem Himmel in mir leben?

Ich wünsche Ihnen Gottes Segen und seinen Himmel über und in Ihnen in den vor uns liegenden Monaten Februar und März des Neuen Jahres.

Herzlichst,
Ihre Pfarrerin Margret Noltensmeier