Andacht 2022 04 - Matthaeus 28 Vers 20

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wir leben in sehr ungewissen Zeiten.

In der Pandemie haben wir uns vielfach daran gewöhnt, Pläne unter Vorbehalt zu machen:
Ich plane erst einmal meine Feier oder diese Reise, aber es kann sein, dass alles wieder kurzfristig abgesagt werden muss.
Wer weiß, wie zu dem Zeitpunkt die Inzidenzen sind, wer weiß welche Regelungen dann gelten und überhaupt: ob ich dann gesund bin.
Die Pandemie hat uns Flexibilität gelehrt, und auch die Einsicht, die eigentlich in allen Zeiten gilt: dass es nicht nach meinen Plänen und Wünschen geht, dass ich selbst nicht alles oder sogar gar nichts in der Hand habe, sondern dass alles Gelingen in einen größeren Zusammenhang eingebunden ist.

Jetzt leben wir in den Zeiten des russisch-ukrainischen Krieges, der das Lebensgefühl vieler Menschen hier sehr verändert hat.
Auf einmal macht sich Angst breit vor einer möglichen Ausweitung, auch wenn die Vernunft sagt, dass das nicht passieren wird.
Und wir sehen all die Menschen auf der Flucht, von denen manche schon in unserer unmittelbaren Nachbarschaft angekommen sind.
Sie stellen uns vor Augen, dass nichts selbstverständlich ist, dass wir von einem Moment auf den anderen fast alles verlieren können.

Wir wissen nicht, was morgen ist.

Die Menschen, die sich aus der Ukraine auf die Flucht begeben haben und mittlerweile irgendwo angekommen sind, wissen nicht, wann oder sogar, ob sie wieder nach Hause zurückkehren können.

Die Zukunft ist ungewiss.

Sie ist es aber nicht nur im Moment in diesen Krisenzeiten, sondern immer, für jeden Menschen.
Auch für uns, die wir - im Moment jedenfalls – im Frieden leben.

Mich hat ein Gedanke einer Rabbinerin sehr berührt, die gesagt hat:
In allem, was wir nicht wissen, wissen wir doch dies: wir können lieben und wir können segnen. Ja, ich weiß nicht, was morgen ist, aber heute habe ich die Chance, meine Liebe zum Ausdruck zu bringen und für andere ein Segen zu sein.

Ich würde diesen Gedanken noch ergänzen durch einen anderen, den wir auch wissen: dass Gott, der uns zu Ostern in der Auferstehung Jesu gezeigt hat, dass das Leben stärker ist als der Tod, bei uns ist an jedem neuen Tag, egal was passiert.

So hat Jesus gesagt: Siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis an das Ende der Welt (Matthäus 28, 20).

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Passions- und Osterzeit.

Herzlichst
Ihre Pfarrerin Margret Noltensmeier