Schuldig geblieben?
Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten zu deiner
Wohnung. (Psalm 43,3)
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Licht und Wahrheit! Danach sehnt sich der Beter des 43. Psalms. Und sicherlich können sich viele von uns in dieser Sehnsucht wiederfinden.
Licht: Es ist so dunkel draußen! Nach der Umstellung auf die Winterzeit ist es jetzt um 17 Uhr auf einmal wieder mit dem Tageslicht vorbei. Daran muss ich mich erst gewöhnen. Und manchmal kann die dunkle Jahreszeit auf die Stimmung schlagen. Wenn es draußen den ganzen Tag nicht hell wird, dann greift die Traurigkeit leichter nach mir. Grübeleien nehmen sich ihren Raum und ich scheine meine Leichtigkeit zu verlieren.
Wahrheit: Es ist so eine Sache mit der Wahrheit. Wahrheit verstehen wir häufig als den Gegensatz zur Lüge. Ich habe noch im Ohr, wie neulich jemand manche Politiker als „Lügenbarone“ titulierte.
Falsche Versprechungen, nicht die ganze Wahrheit sagen oder Tatsachen verdrehen, all das fasste diese Person wohl unter dem Titel „Lügenbarone“ zusammen. Trotzdem fällt es oft schwer zu erklären, was Wahrheit ist und ob es die (eine) Wahrheit überhaupt gibt.
Abgesehen von all den komplexen Abhandlungen, die es über das Thema Wahrheit gibt, frage ich mich aber auch im Alltag, was für mich Wahrheit ist. Ich bin vorsichtig mit dem Begriff der Lüge. Wenn ein Mensch mir etwas erzählt, was meiner Meinung nach überhaupt nicht den Tatsachen entsprechen kann, lügt er dann? Vielleicht entspricht seine/ihre Wahrheit nicht dem, was
ich sehe oder vorgefunden habe…aber vielleicht ist das, was er/sie sagt Ausdruck einer starken Sehnsucht oder eines innigen Wunsches dieses Menschen. Es ist dann vielleicht nicht meine, aber trotzdem seine oder ihre Wahrheit.
Der Psalmbeter nennt Wahrheit und Licht in einem Atemzug. Und tatsächlich gehören sie im Verständnis der Psalmen eng zusammen. Wenn Gott darum gebeten wird, sein Licht und seine Wahrheit zu senden, dann ist das ein Aufruf an Gott, für sein Volk zu sorgen: ihm treu zu bleiben,
weiter mitzugehen auf seinem Weg, den Weg hell zu machen und die Angst zu vertreiben.
Und könnten wir das nicht genauso bitten wie der Psalmbeter:
Sende dein Licht und deine Wahrheit Gott!
Sei uns treu und bleibe bei uns in Dunkelheit und Angst!
Leite uns und alle, die Verantwortung für diese Welt tragen, auf einem guten Weg!
Wir gehen auf Weihnachten zu und als Christen halten wir in der Geburt des göttlichen Kindes Gottes Treue zu dieser Welt quasi in den Händen.
In diesem Vertrauen wünsche ich Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und einen guten
Jahreswechsel!
Herzlichst Ihre
Pfarrerin Margret Noltensmeier