Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!
(Offenbarung 21, 5) Jahreslosung für 2026
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wahrscheinlich kennen Sie dies auch: dass Sie sich über sich selbst ärgern.
Dass Sie in einer Situation mit anderen Menschen im Nachhinein das Gefühl haben, falsch gehandelt oder reagiert zu
haben. Die falschen Worte gesagt zu haben. Meistens quält mich im Rückblick so etwas, ich kann nicht gut schlafen,
denke immer wieder daran und mache mir selbst Vorwürfe: Wie konnte ich nur! Wie konnte ich nur so unreif, unüberlegt und ja – auch unkontrolliert sein! Eigentlich wollte ich das nicht, aber es ist einfach aus mir herausgeplatzt…
Selbstvorwürfe, Reue, Scham, das sind alles starke Gefühle, die nicht so leicht auszuhalten sind. Es braucht eine Zeit, bis sie mich nicht mehr belasten. Der Londoner Rabbiner Jonathan Sacks hat betont, dass wir jeden Tag die Möglichkeit haben, es anders zu machen als zuvor. Auch wenn mich immer noch belastet, was ich gestern ‚falsch‘ gemacht habe: Ich kann es heute anders machen als gestern. Jeder neue Tag, jeder neue Morgen gibt mir die Möglichkeit neu anzufangen.
Gott hat uns die Fähigkeit zur Umkehr gegeben. Wir müssen nicht in dem Alten verharren, in dem, was war und was in unseren Augen nicht gut war. Es gibt die Chance umzukehren, noch einmal ganz neu anzusetzen.
Wenn ich die Jahreslosung lese, dann erscheint es mir, dass für Gott selbst die Umkehr, der Neuanfang etwas Wesentliches ist. „Siehe, ich mache alles neu!“, das ist eigentlich Gottes radikale Umkehr. Diese Ankündigung Gottes steht ganz am Ende der Bibel, sie ist quasi sein Schlusswort, das aber auch den Weg anzeigt, auf den sich Gott selbst begibt: Gegenüber dem Leid der Welt, den Tränen, der Bedrängnis und der Klage derjenigen, die verfolgt werden, verspricht er etwas radikal Neues: kein Leid, keine Tränen, kein Geschrei mehr in einer Welt, die er selbst völlig neu
schaffen wird.
Ich lasse mich ermutigen von Gottes Versprechen, alles neu zu machen. Schon jetzt – bis zu
unserem Lebensende- schenkt er uns immer wieder einen neuen Morgen. Schon jetzt macht er
jeden Tag neu. Und jeder Morgen ist ein neuer Anfang, an dem ich neu aufbrechen kann und es
neu, anders machen kann als gestern.
Ich wünsche Ihnen bis zum Erscheinen des nächsten
Gemeindebriefes eine gute Zeit und grüße Sie
herzlichst, Ihre
Pfarrerin Margret Noltensmeier